Kurze Zusammenfassung
Der Vortrag analysiert die Abwehrstrategien etablierter Kräfte gegen neue Konkurrenten in Medien, Politik und Wirtschaft. Am Beispiel des Interviews von Björn Höcke im Podcast "ungescriptet" werden die Reaktionen der etablierten Medien und Politiker beleuchtet. Es werden drei Hauptstrategien identifiziert:
- Gewaltausübung/Regulierung (Diktatorvariante)
- Ausgrenzung
- Umarmung (Kooptation)
Der Vortrag argumentiert, dass diese Strategien oft aus dem Wunsch nach Machterhalt resultieren und nicht immer im besten Interesse des Landes sind.
Einleitung: Aufstieg neuer Medien und Reaktionen der Etablierten
Der Vortrag beginnt mit der Feststellung, dass das Interview mit Björn Höcke im Podcast "ungescriptet" ein großer Erfolg war und mehr Aufrufe generierte als alle ZDF-Sommerinterviews zusammen. Dies zeigt eine Verschiebung der Gewichte und Deutungshoheit. Die etablierten Medien und Politiker versuchen, sich gegen diese neue Konkurrenz zu wehren, sowohl gegen neue Parteien als auch gegen neue Formen des Journalismus. Der Vortrag untersucht die Prinzipien, die hinter diesen Abwehrstrategien stehen, und vergleicht sie mit ähnlichen Dynamiken in Wirtschaft und sozialen Gruppen.
Das Format "ungescriptet" und seine Besonderheiten
Der Podcast "ungescriptet" zeichnet sich dadurch aus, dass er sich komplett auf den Gast einstellt und kein vorgefertigtes Skript verwendet. Der Moderator greift die Aussagen des Gesprächspartners auf und entwickelt daraus die nächsten Fragen. Dies führt zu intensiven Interaktionen, bei denen die Gäste oft Dinge preisgeben, die sie sonst nicht sagen würden. Das lange Format der Gespräche (mehrere Stunden) erschwert es den Gästen, eine Maske aufrechtzuerhalten. Dieses journalistische Produkt unterscheidet sich von dem, was andere Anbieter bisher geliefert haben, und erklärt seinen großen Erfolg.
Abwehrstrategie 1: Gewaltausübung/Regulierung (Diktatorvariante)
Die erste Abwehrstrategie ist die "Diktatorvariante", bei der eine Person oder Gruppe mit uneingeschränkter Macht versucht, Konkurrenten durch Gewalt oder Regulierung auszuschalten. Dies kann auf Schulhöfen, in Diktaturen oder durch den Staat geschehen. Parteien nutzen Instrumente wie Geschäftsordnungen, Gesetze oder Parteiverbotsverfahren, um ihre Macht zu sichern. Im Fall von "ungescriptet" wurde beispielsweise eine Regulierung der neuen Medien gefordert, um den Kontrollverlust einzudämmen. Diese Strategie funktioniert jedoch nur, wenn eine gut funktionierende Gewaltenteilung fehlt.
Abwehrstrategie 2: Ausgrenzung
Die zweite Abwehrstrategie ist die Ausgrenzung, bei der Konkurrenten nicht in die Gruppe aufgenommen werden. Dies kann auf Schulhöfen durch Nichtbeachtung oder Nicht-Einladung geschehen. Ein Beispiel aus der Wirtschaft ist die anfängliche Ablehnung von Blue Jeans durch Herrenausstatter. Auch bei Elektroautos gab es eine Ausgrenzungsstrategie der etablierten Hersteller. In der Politik einigen sich Parteien manchmal darauf, bestimmte Themen nicht anzusprechen, um andere Parteien auszugrenzen.
Die Strategie neuer Parteien und Medien
Neue Parteien und Medien etablieren oft ein neues Thema oder eine neue Dimension, die von den etablierten Kräften nicht angesprochen wird. Die Grünen beispielsweise machten die Anti-Kernkraft zu einem Kernthema, die AfD die unkontrollierte Armutseinwanderung. Dies ermöglicht es ihnen, sich von den etablierten Parteien abzugrenzen und neue Wählerschichten zu gewinnen. Allerdings kann diese anfängliche Position auch in der eigenen DNA eingebrannt sein und die Flexibilität einschränken.
Ausgrenzungsstrategien gegen Journalismus
Etablierte Medien betrachten sich oft als die einzigen wahren Journalisten und grenzen neue Medien wie YouTube oder Podcasts aus. Sie argumentieren, dass diese neuen Medien den Journalismus "herausfordern" und "eingeordnet" werden müssen. Politiker rufen zum Boykott dieser Medien auf. Dabei sind diese neuen Medien oft das Beste, was der Demokratie passieren kann, da sie die Vielfalt wiederherstellen, die durch das Zeitungssterben verloren gegangen ist.
Kosten der Ausgrenzung
Die Ausgrenzungsstrategie verursacht Kosten auf beiden Seiten. Der Ausgrenzende kann die Reichweite des Ausgegrenzten nicht nutzen. Wenn die Abwehr nicht gelingt, können sich die Ausgegrenzten etablieren und die alten Positionen verdrängen. Irgendwann werden die Kosten für die Alteingesessenen zu hoch, und sie können sich die Strategie nicht mehr leisten.
Abwehrstrategie 3: Umarmung (Kooptation)
Die dritte Abwehrstrategie ist die Umarmung, bei der die Alteingesessenen die Themen oder Positionen der Neuen übernehmen. Dies kann in frühen Phasen erfolgreich sein, wenn die Eindringlinge noch klein sind. Allerdings ist die Position oft nicht glaubwürdig, oder die eigenen Leute ziehen nicht mit. Eine andere Strategie ist die Übernahme der Eindringlinge, beispielsweise durch Aufkauf von Firmen. Eine weitere Strategie ist die Korrumpierung der Angreifer, indem man ihnen anbietet, in den Club der Etablierten einzutreten.
Schlussfolgerung
Wenn die Etablierten zu spät von der Ausgrenzung zur Umarmung umschalten, sind die Eindringlinge zu stark geworden und haben kein Interesse mehr an einer Integration. Dies führt zu einem Kontrollverlust und einer Stärkung der Position der anderen Seite. Die etablierten Journalisten müssen jetzt schnell umschalten, sonst werden sie von den neuen journalistischen Produkten verdrängt.

