Kurze Zusammenfassung
Der Beitrag untersucht die Wahrnehmung der deutschen Medienberichterstattung über den Gaza-Krieg und Israel. Es zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung den Medien misstraut und die Berichterstattung als einseitig pro-israelisch wahrnimmt. Der Beitrag beleuchtet Kritikpunkte, wie den Vorwurf des Verlautbarungsjournalismus, Fehler in der Berichterstattung und die mangelnde Repräsentation palästinensischer Perspektiven. Abschließend wird die Rolle von Social Media als alternative Informationsquelle und die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts betont.
- Misstrauen in die deutsche Medienberichterstattung über den Gaza-Krieg und Israel.
- Wahrnehmung einer einseitigen, pro-israelischen Berichterstattung.
- Kritik an Fehlern in der Berichterstattung und mangelnder Repräsentation palästinensischer Perspektiven.
- Die Rolle von Social Media als alternative Informationsquelle.
- Die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Einseitige Gaza-Berichterstattung?
Seit elf Monaten berichten die Medien über den Krieg in Gaza und Israel, der durch den Angriff der Hamas auf Israel begann. Dabei wurden 1200 Menschen ermordet und 250 als Geiseln genommen. Israel reagierte mit Gegenschlägen, was die humanitäre Lage in Gaza verschärfte. Journalist*innen stehen vor der Herausforderung, ausgewogen zu berichten, da Israel internationale Presse nicht in den Gazastreifen lässt. Die Medien werden kritisiert, insbesondere wegen angeblicher Einseitigkeit.
Repräsentativ-angelegte Umfrage
Eine von Infratest Dimap durchgeführte Umfrage zeigt, dass 40 % der Befragten viel oder sehr viel Vertrauen in die deutsche Berichterstattung haben, während 48 % wenig oder gar kein Vertrauen haben. 38 % nehmen die Berichterstattung als ausgewogen wahr, während 31 % eine zu starke Parteinahme für Israel sehen. Carola Richter von der Freien Universität Berlin interpretiert diese Ergebnisse als Zeichen für ein Problem in der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung.
Kritik an Medien
Bei den Gaza Talks im Berliner Ensemble wird Kritik an der deutschen Berichterstattung laut. Teilnehmer bemängeln, dass palästinensische Stimmen und Expertise zu wenig Gehör finden und wichtige Informationen totgeschwiegen werden. Alena Jabarine, Gastgeberin der Gesprächsrunde, kritisiert den "Official Say Journalism", bei dem sich zu sehr auf Armeesprecher und Geheimdienstleute verlassen wird, was zu einer unkritischen Übernahme von Propaganda und Desinformation führt.
Fehler in der Berichterstattung?
Die Recherche zeigt, dass nicht jeder auf Social Media geteilte angebliche Fehler ein eindeutiger Fehler ist, aber es gibt Beispiele, bei denen es schiefläuft. Das ZDF übernahm ungekennzeichnet ein irreführendes Narrativ der israelischen Armee bezüglich eines Raketenangriffs in den Golanhöhen. Die ARD sprach in einer Tagesschau-Schalte von Schutzbunkern und sicheren Fluchtkorridoren in Gaza, die es so nicht gibt. Christian Limpert, Leiter des ARD-Studios in Tel Aviv, räumt ein, dass dies ein Fehler war, der den Ruf der ARD massiv schädigt.
Abdul Chahin
In Duisburg trifft das Team Abdul Chahin, einen Stand-up-Comedian, der die Berichterstattung kritisch sieht. Er berichtet, dass viele Palästinenser*innen in Deutschland sich nicht wahrgenommen fühlen und die Berichterstattung als herzlos empfinden. Chahin betont, dass es viele bemühte Leute in den Redaktionen gibt, aber dennoch Kritik an der Berichterstattung besteht.
So berichten internationale Medien
Internationale Medien verwenden häufiger den Begriff "Genozid" im Zusammenhang mit der Klage Südafrikas gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof, während deutsche Medien zurückhaltender sind. Kristin Helberg erklärt dies mit der Angst vor dem Vorwurf des Antisemitismus. Ronen Steinke von der SZ betont, dass man vorsichtiger beim Thema ist als bei anderen Konflikten. Helberg fordert einen sachlichen Umgang mit dem Begriff Genozid und erklärt, ab wann die Verwendung antisemitisch sein könnte.
Die Rolle von Social Media
Viele Menschen informieren sich über soziale Netzwerke, da sie sich von den etablierten Medien enttäuscht fühlen. Dort folgen sie Menschen vor Ort, die mit eigenen Worten beschreiben, was passiert. Algorithmen füttern einem jedoch oft dieselben Sichtweisen, was zu einer Fragmentierung in der Bevölkerung führen kann. Jouanna Hassoun beobachtet eine große Verunsicherung bei Kindern mit internationalen Geschichten und einen Vertrauensverlust in deutsche Nachrichten.
Antisemitismus auf Berlinale?
Die Preisverleihung bei der Berlinale, bei der Preisträger deutliche Worte zum Konflikt äußerten, sorgte für Entrüstung in Politik und Medien. Meron Mendel betont, dass Solidarität mit den Palästinensern und der Wunsch nach einem palästinensischen Staat nicht antisemitisch sind. Antisemitismus beginne dort, wo Vernichtungs- oder Vertreibungsfantasien einhergehen oder Juden weltweit für das Handeln Israels verantwortlich gemacht werden.
Der Fall Axel Springer
Der Axel-Springer-Verlag, zu dem Welt und Bild gehören, spielt eine Sonderrolle. Kritiker werfen dem Verlag vor, hardcore zu hetzen und zu polarisieren. Die "Unternehmensverfassung" des Verlags, die eine Solidarität mit dem jüdischen Volk und dem Existenzrecht Israels vorsieht, führt laut Kritikern zu einer Schlagseite zugunsten des Staates Israel.
Wunsch nach mehr Repräsentation
Die Enttäuschung über die Medien kam nicht plötzlich mit dem 7. Oktober, sondern wiederholt für viele ein bekanntes Muster. Palästinenser*innen wünschen sich mehr unterschiedliche Perspektiven in deutschen Medien, insbesondere mehr jüdische und palästinensische Stimmen. Eine Analyse der Talkshows im Ersten und im ZDF zeigt eine Unausgewogenheit bei der Einladung von Gästen mit palästinensischem oder israelischem Hintergrund.
Fazit
Der Krieg in Gaza und Israel ist für deutsche Medien eins der schwierigsten Themen. Das Vertrauen in sie ist beschädigt, vor allem wegen des Gefühls, die Medien ergriffen Partei für Israel. Fehler in der Berichterstattung, fehlende Perspektiven und die Diffamierung von Palästina-solidarischen Stimmen tragen dazu bei. Die Medien haben eine große Verantwortung, um so viele Menschen wie möglich abzuholen und junge Menschen nicht an Fake News zu verlieren, da dies zu Radikalisierung und dem Verlust des gesellschaftlichen Zusammenhalts führen kann.

