Der aramäische Jesus und die Sterbeforschung | Franz Alt im Gespräch

Brief Summary

This interview discusses the life and work of Elisabeth Kübler-Ross, a pioneer in death and dying research, and explores the aramäische Jesus and his message of love and non-violence. The interview also touches on the topic of reincarnation and the role of women in the church. The interviewee believes that the future of the church is female and that the church should embrace the teachings of Jesus, including his message of love and non-violence.

  • Elisabeth Kübler-Ross was a pioneer in death and dying research and her work has been widely recognized.
  • The interviewee believes that Jesus was a revolutionary figure who preached love and non-violence and that his message is still relevant today.
  • The interviewee believes that the future of the church is female and that the church should embrace the teachings of Jesus, including his message of love and non-violence.

Jesus on the Cross – a Near-Death Experience?

The interviewee believes that the Easter story is a near-death experience, similar to those experienced by many people today. He argues that Jesus was in a state of near-death but did not actually die, and that his resurrection was a result of his near-death experience. He believes that this interpretation is more plausible than the traditional belief that Jesus was miraculously resurrected by God.

Memories of the Death Researcher Elisabeth Kübler-Ross

The interviewee discusses his friendship with Elisabeth Kübler-Ross and his last television interview with her. He describes her as a compassionate and dedicated researcher who was deeply affected by her work with dying patients. He also addresses rumours that Kübler-Ross recanted her beliefs in her later years, stating that these rumours are false and that she remained a strong advocate for her research until her death.

Did Jesus Consciously Go to His Death?

The interviewee believes that Jesus consciously went to his death to prove the power of his message of love and non-violence. He argues that Jesus knew that his death would be a powerful symbol for his followers and that it would help to spread his message to the world. He believes that Jesus' death was a necessary sacrifice to ensure that his message would be heard.

The Aramaic Jesus and the Lord's Prayer

The interviewee discusses the importance of understanding the original Aramaic language of Jesus' teachings. He argues that many translations of the Bible have introduced errors and misinterpretations, and that these errors have led to a distorted understanding of Jesus' message. He specifically focuses on the Lord's Prayer, arguing that the traditional translation of the sixth petition, "Lead us not into temptation," is incorrect. He believes that the correct translation is "Lead us into temptation," which he argues is a more accurate reflection of Jesus' message of love and non-violence.

Christianity, Church and Reincarnation

The interviewee discusses the topic of reincarnation and its place in Christianity. He argues that Jesus spoke about reincarnation on multiple occasions, but that these teachings have been suppressed by theologians over the centuries. He believes that the church's rejection of reincarnation is a result of fear, as it undermines the need for salvation through Jesus' death.

“The Future of the Church is Female”

The interviewee discusses his belief that the future of the church is female. He argues that Jesus gave women a special place in his ministry and that the church has historically marginalized women. He believes that the church needs to embrace the teachings of Jesus and give women a more prominent role in its leadership.

Spiritual Experiences in a Personal Context

The interviewee discusses his personal experiences with death and dying. He shares a story about his wife's belief in reincarnation and a dream he had about his mother's death. He believes that these experiences have strengthened his belief in reincarnation and the importance of taking the topic seriously.

“The Solar Age Begins. The Sun Wins.”

The interviewee discusses his ongoing work on climate change and his belief that the world is on the cusp of a solar revolution. He argues that the rapid growth of renewable energy sources, particularly solar power, is a sign that the world is moving towards a more sustainable future. He believes that this shift is a positive development and that it will help to address the climate crisis.

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Transcript

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0:00 Eine deutsche Journalistin hat Frau Kübler-Ross in Phoenix, wo sie am Schluss gelebt hat, interviewt und hat gesagt, die widerruft ja alles, was sie in ihrem Leben bisher verkündet hat. Und daraufhin habe ich sie nochmal angerufen, bekannt waren wir vorher schon, und ich habe gesagt, was stimmt das, hast du das gesagt? Und sie hat gesagt, das ist eine solche Lüge.

0:47 Lieber Herr Alt, Sie sind erfolgreicher Journalist und Autor, Sie befassen sich seit vielen Jahren mit ökologischen Themen, sind da sehr engagiert. Aber Sie waren auch immer an Glaubensfragen interessiert. Und einer Ihrer Vorträge hat den Titel: Der aramäische Jesus und Nahtoderfahrungen. Nun ist Nahtoderfahrung ja ein sehr moderner Begriff, 50 Jahre alt. Welchen Zusammenhang sehen Sie mit Jesus? Ich kann mir gut vorstellen, dass das ganze Ostergeheimnis nichts anderes ist als eine Nahtoderfahrung. Dass vielleicht Maria Magdalena, seine Gefährtin, und sein Freund Nikodemus am Karsamstag bei ihm waren und versucht haben, ihn gesund zu pflegen.

1:39 Das ganze Ostergeheimnis, das wir so, wie es die Bibel beschreibt, alle glauben, er war tot und dann wurde er wieder lebendig, dass das eine Art Nahtoderfahrung war. Das ist für mich kein Glaubensproblem, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Ich glaube nicht, dass der liebe Gott seine Naturgesetze außer Kraft setzt, um jemanden, den er besonders schätzt, seinen geliebten Jesus, von den Toten magisch auferstehen zu lassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine Nahtoderfahrung war, wie wir heute viele Nahtoderfahrungen kennen. Also Nahtoderfahrung im Sinn, er war in Todesnähe, ist aber nicht wirklich gestorben.

2:29 Genau so, wie das viele heute sagen, die nahezu tot waren. Nicht tot, aber "nahtod". Und dann wieder von den Ärzten oder ihrem Arzt reanimiert worden sind. So etwas könnte zur Erklärung des Ostergeheimnisses wesentlich beitragen. Der Begriff Nahtoderfahrung wurde in den 70er Jahren von Raymond Moody erstmals verwendet. Es gab aber schon vor Moody Sterbeforschung, vor allem was die Stationen des Sterbens anbelangt. Und die wichtigste Sterbeforscherin war damals Elisabeth Kübler-Ross. Sie haben, wenn ich richtig informiert bin, das letzte Fernsehinterview mit Frau Kübler-Ross geführt. Ich würde Sie einfach bitten, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wie haben Sie diese Pionierin der Sterbeforschung persönlich erlebt und was war das Wichtigste, was Sie herausgefunden hat?

3:22 Elisabeth Kübler-Ross, eine Schweizerin, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Krankenschwester in einem KZ in Polen. Hat mit Kirche gar nichts zu tun gehabt und mit Sterbeforschung und mit dem Thema Tod auch nicht. Ihr, so hat sie mir erzählt, ist aufgefallen, dass an den Gaskammern überall Schmetterlinge aufgemalt waren von den Juden, die die Nazis vergast haben. Das letzte Bild, das viele Juden, die ins Gas geschickt wurden, gemalt haben, an den Eingang der Gaskammern, war ein Schmetterling. Und sie hat mir gesagt, sie hat sich lange mit dem Thema Schmetterling beschäftigt als Symbol der Wandlung.

4:09 Ei, Larve, Raupe, Schmetterling. Übergang von einer Lebenssituation in die andere. Und das hat sie fasziniert. Und dann ist ihr klar geworden, dass im Griechischen das Wort Schmetterling, Psyche, identisch ist mit Seele. Und so ist sie auf die Idee gekommen, sich mit der Sterbeforschung, also der Transformation eines Lebewesens zu beschäftigen. Indem sie direkt mit Sterbenden auch zu tun hatte. Richtig. Und als Krankenschwester natürlich auch. Und dann hat sie das zu ihrem Lebensschwerpunkt gemacht. Hat die ersten Bücher geschrieben, hat in Amerika, sie war mit einem Amerikaner verheiratet, hat in Amerika Vorlesungen gemacht, mit todkranken Studenten Interviews geführt.

5:02 Und das war natürlich ein Tabubruch. So ist sie in ganz Amerika bekannt geworden, als die große Sterbeforscherin. Elisabeth Kübler-Ross, wir waren befreundet, hat tausende von Menschen beim Sterben im Arm gehabt. Und wusste, was Sterbende fühlen und was Sterbende empfinden, wenn sie hinübergehen, Transformation erleben in eine andere Welt. Und das hat sie zutiefst beschäftigt. Diese Frau ist für ihre Sterbeforschung mit 23 Ehrendoktortiteln ausgezeichnet worden. Es ist die wissenschaftlich meist ausgezeichnete Frau der Welt. Das zeigt doch, dass das nicht einfach so eine vordergründige, spiritualisierte Esoterik oder so etwas ist, sondern dass es wirklich eine ernsthafte wissenschaftliche Betrachtung war, die sie gemacht hat.

5:55 Dazu jetzt eine Zwischenfrage. Es wird ja manchmal so dargestellt in Ihrer Biografie, sie sei zunächst eine ausgezeichnete, vielfach ausgezeichnete, ernste Forscherin gewesen und dann aber sozusagen in die Esoterik zu sehr abgeirrt. Sie haben wahrscheinlich Frau Kübler-Ross aber in ihrer Gesamtheit erlebt. Oder gab es in Ihrer Entwicklung auch aus Ihrer Sicht einen Bruch, wo sie sich dann anders entwickelt hätte? Angeblich gab es das. Eine deutsche Journalistin hat Frau Kübler-Ross in Phoenix, wo sie am Schluss gelebt hat, interviewt und hat gesagt, sie widerruft ja alles, was sie in ihrem Leben bisher verkündet hat. Und daraufhin habe ich sie nochmal angerufen. Wir kannten uns vorher schon.

6:41 Und ich habe gesagt, sag einmal, stimmt das? Hast du das gesagt? Und sie hat gesagt, das ist eine solche Lüge. Das sind die Schweine vom Spiegel, wörtlich. Die Schweine vom Spiegel haben das geschrieben, haben eine Journalistin geschickt, die mich aufs Glatteis führen sollte. Und die behauptet, ich hätte alles widerrufen, was mir im Leben wichtig war. Das ist eine Lüge. Zu mir kommen Japaner und fragen, ob das stimmt. Die fliegen von Japan hierher, um das bestätigt zu bekommen. Das ist schlicht Lüge. Habe ich nie gesagt. Dann hat sie nochmal ihre ganze Lehre ausgebreitet und begründet. Wir haben ein langes Interview gemacht. Das wurde dann in der Tat, ich glaube etwa ein Jahr vor ihrem Tod veröffentlicht. Es war das letzte große Fernsehinterview, das sie gegeben hat.

7:27 Also sie blieb die Wissenschaftlerin und war sehr stolz auf ihre 23 Ehrendoktortitel, die sie für ihre Sterbeforschung bekommen hat. Wie haben Sie sie persönlich erlebt? Glaubwürdig, überzeugt bis zum Schluss, sehr menschlich. Sie haben mir zum Beispiel eine Geschichte erzählt mit ihrem Mann. Das war keine einfache Ehe. Ihr Mann hat sie auch als Esoterikerin und Spinnerin oft abgetan. Dann haben sie vereinbart, als klar wurde, jetzt wird sie bald sterben. Wer als erster von beiden stirbt, legt dem anderen am nächsten Morgen einen Strauß roter Rosen vor die Tür.

8:13 Als ihr Mann gestorben war, ging sie am nächsten Morgen vor die Haustür. Da lag im tiefen Schnee ein Strauß roter Rosen. Das wusste aber niemand außer sie und ihrem Mann. Und sie hat gesagt, das hat mich zum Teil sogar gläubig gemacht. Sie war keine gläubige Christin. Sie hat oft mit Theologen zusammengearbeitet, wenn es um Sterbende ging. Auch da sieht man, wie tolerant sie war. Sie hat gesagt, die haben oft eine andere Auffassung von Jesus und von der Kirche und von der Spiritualität wie ich. Aber ich arbeite mit denen gut zusammen. Es ist wichtig, dass wir beide zusammenarbeiten und zusammenfinden. Das hat sie gemacht. Das war für mich sehr tolerant und sehr liberal. Auch sie hatte eine grundliberale freiheitliche Einstellung.

9:01 Trotz aller tiefen Überzeugung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Stichwort grundliberale Einstellung zum Thema Religion. Kommen wir jetzt noch einmal auf Ihr Buch vom aramäischen Jesus zurück. Für Sie ist es auch wichtig, dass man ein glaubwürdiges Gottesbild pflegt. Und die Geschichte vom Kreuzestod Jesu, wie sie üblicherweise erzählt wird, erscheint Ihnen nicht glaubwürdig, richtig? Nach allem, was wir von Jesus wissen, ging er bewusst ans Kreuz. Das haben seine Jünger verhindert wollen und haben es nicht verstanden. Die wollten natürlich ihren Meister weiterhin bei sich haben. Aber Jesus wusste, wenn er wirklich überzeugen will und wenn er eine Botschaft hat für alle Menschen, dann muss er bis zum Äußersten gehen, sonst glauben die Menschen nicht.

9:55 So sind wir halt. Wenn aber einer sein Leben gibt, bewusst gibt, für seine Überzeugung und freiwillig in den Tod geht, damit andere Menschen ihm glauben, das ist ein wirkliches Vorbild. Und so ist es ja auch. Sonst wüssten wir nach 2000 Jahren nichts mehr von diesem wunderbaren jungen Mann aus Nazareth. Mit Verlaub, ich verstehe den Zusammenhang nicht. Warum ist es ein Vorbild, wenn sich jemand nach dem damals ja fürchterlichsten Tod ans Kreuz schlagen lässt? Wieso bestätigt er mit diesem Äußersten seine Lehre? Man muss von der damaligen Zeit ausgehen. Das war eine Zeit, in der die Römer machtpolitisch Palästina beherrscht haben.

10:42 Und da kommt einer und predigt Liebe und ist gegen Gewalt und predigt sogar Feindesliebe. Das Größte, was Jesus gesagt hat. Und er wusste, die damaligen Herrscher in der Religion, in der Kirche und in der Politik verstehen das nicht. Weder die Besatzungsmächte noch die Besetzten verstehen das. Und für die meisten Menschen galt einfach Auge um Auge, Zahn um Zahn, die Position des Alten Testamentes. Und da kommt Jesus und sagt, Feindesliebe, liebet eure Feinde. Das war eine Revolution. Und ihm war klar, das verstehen die Menschen nur, wenn er für diese Überzeugung in den Tod geht. Ich möchte da trotzdem noch mal nachhaken. Also was Sie sagen mit der Religion der Liebe, das ist sicher gut nachvollziehbar.

11:31 Das war eine Revolution, das war was ganz anderes als dieser Rachegott, den man aus dem Alten Testament kennt. Das war was Revolutionäres und wahrscheinlich auch ein wirklicher Ausweis seiner Besonderheit. Aber trotzdem verstehe ich nicht, warum diese Lehre der Liebe wertvoller oder verständlicher oder durchschlagender werden soll, wenn er sich einem Kreuzestod ausliefert. Weshalb soll man ihm dann mehr glauben? Also das war damals die Form der Strafe für die Abweichler. Jesus wollte nicht seine Botschaft aufgeben, sondern sich lieber kreuzigen. Er wusste, wenn er seiner Botschaft treu bleibt, wenn er weiterhin gegen den Rachegott des Alten Testament anpredigt, dann werden sie ihn umbringen, weil sie das nicht haben konnten.

12:25 Also unter dem Druck der Schriftgelehrten damals, wenn er nachgegeben hätte, wäre er unglaubwürdig gewesen. Dann wäre er unglaubwürdig gewesen, daher dieser Schritt. Ihm war klar, nur wenn er für seine Überzeugung in den Tod geht, in diesem Fall ans Kreuz, dann werden wir ihm glauben, denn das ist das Größte, hat er ja mal auch gesagt, was jemand geben kann für seine Freunde, sein eigenes Leben. Und er ist in den Tod gegangen, im Wissen, dass er doch nicht sterben wird? Jesus selber war ja verzweifelt am Kreuz. Vater, warum hast du mich verlassen? Also ich glaube, er war offen in diesen Fragen. Ob er genau wusste, wie das ausgeht, das wissen wir nicht. Aber genau darin liegt vielleicht die Größe, dass er das in Kauf genommen hat, wie es auch immer ausgeht.

13:12 Ich denke, so kann man es sehen, ja. Sie sprechen vom aramäischen Jesus. Jesus hat aramäisch gesprochen, aber Sie verbinden damit ja auch noch eine besondere Deutung seiner Mission. Was ist der aramäische Jesus für Sie? Die Bibel, die Sie und ich zu Hause haben, ist aus dem Griechischen übersetzt. Wie viereinhalb Milliarden Bibeln auf der Welt sonst auch. Aber Jesus hat eine andere Sprache gesprochen. Und jeder, der eine andere Sprache kennt, weiß, dass durch Übersetzungen ständig Missverständnisse und auch Fehler oder bewusste Fehldeutungen organisiert werden. Und die Theologen haben uns 2000 Jahre lang die Bibel übersetzt in nahezu alle Sprachen der Welt.

14:01 Und da sind natürlich ständig Fehler passieren. Die sind weiter übernommen worden. Und wiederum wurde es falsch übersetzt. Ich sage mal ein Beispiel. Angeblich hat Jesus gesagt, dem Vaterunser, also seinen Freunden, das Vaterunser, vorgebetet hat, in der berühmten sechsten Fürbitte, und führe uns nicht in Versuchung. Ein Gott, der mich in Versuchung führt, ist nicht mein Gott. Das ist ein Vater, der seine Kinder bestrafen will, der seine Kinder zynisch behandeln will. Das ist ein Sadist und nicht der liebende Gott, der Jesus von Nazareth ist. Ein Versucher eigentlich. Ein Versucher. Und das ist der Teufel. Und nicht der Gott Jesu.

14:48 So, dieses habe ich in meinem Buch der Aramäische Jesus klargestellt, aufgrund der Idee, die ich von dem Theologen Günter Schwarz, einem der besten Aramäischkenner, der die Welt je hatte, gelernt habe. Und er hat das Vaterunser, das Jesus seinen Freunden vorgebetet hat, so übersetzt. Und führe uns in der Versuchung. Das ist etwas völlig anderes, als führe mich nicht in Versuchung. Das weiß jeder. Ich habe mit Kardinälen und Bischöfen darüber diskutiert. Die haben alle gesagt, ja, das ist nicht das Gottesbild Jesu. Dann sage ich, ja, dann ändert es doch. Ihr könnt doch das Vaterunser ändern. Hat es nicht Versuche gegeben, das zu ändern? Ein deutscher Kardinal hat dem Papst mein Buch gebracht, und der Papst hat das übernommen.

15:38 In einem neuen Vaterunser-Buch, also Franziskus. Franziskus hat im Herder Verlag das Buch Das Vaterunser geschrieben und hat gesagt, ein Gott, der mich in Versuchung führt, ist nicht mein Gott. Der Papst hat das gesagt. Und hat den deutschen Bischöfen empfohlen, diese Übersetzung aus dem Aramäischen zu übernehmen. Und führe uns in der Versuchung. Die deutschen Bischöfe beider Konfessionen haben das abgelehnt. Die Italiener haben es übernommen. Die Spanier haben es übernommen. Die Portugiesen, die Brasilianer. Also mehrere Länder, auch große Länder, haben das Vaterunser jetzt neu formuliert. Aber beide deutschen großen Kirchen, also ich habe darüber in Zeit gesprochen, mit Frau Käßmann geführt, in der Bild am Sonntag, in einer Boulevardzeitung.

16:25 Da sagt doch die Frau Käßmann, eine führende evangelische Christin, wir wollen doch die Tradition nicht ändern. Also, liebe Kirchen, wenn die Tradition wichtiger ist als Jesus, dann könnt ihr den Laden zumachen. Ganz schlicht gesagt. Wenn die deutschen Bischöfe nicht mal mehr auf den Papst hören, wenn der einen Reformvorschlag macht, der nach 2000 Jahren falschem Gottesbild substanziell ist, dann frage ich mich, warum sich die Kirchen über ihren heutigen Zustand, wo die Menschen ständig zu Hunderttausenden davonlaufen, überhaupt noch wundern. Ein anderes Thema, das ja oft diskutiert wird, im Zusammenhang mit der Kirchengeschichte, ist das Thema der Reinkarnation, der Wiederverkörperung, Wiedergeburt.

17:11 Sehen Sie da aus der aramäischen Übersetzung auch ein anderes Bild als das, was üblicherweise verbreitet wird? Ein komplett anderes Bild. Dieser Günther Schwarz hat nachgewiesen, dass in den aramäischen Urtexten Jesus achtmal von Wiedergeburt sprach. Und die Theologen haben das über 2000 Jahre lang ständig beiseite gedrängt. Im Johannesevangelium allein ist noch an einer Stelle zumindest davon die Rede, wo Jesus wiederum Nikodemus empfängt und in dem berühmten Nachgespräch mit Nikodemus sagt, wenn du nicht wiedergeboren wirst, hast du keine Chance in das Himmelreich einzugehen.

17:57 Also da kommt noch einmal das Wort vor, aber die Theologen sagen, das ist ein Hirngespinst, das ist Esoterik, das hat mit dem Christentum, mit dem wirklichen Jesus, gar nichts zu tun. Dabei ist es zentral achtmal aufgetaucht und sogar noch in einem kleinen Überrestchen im Johannesevangelium ist davon die Rede. Also es ist kein Zufall, dass alle Religionen von der Wiedergeburt überzeugt sind. Buddhismus, Hinduismus, alle großen Religionen, dass Jesus von Wiedergeburt sprach, aber es die Theologen verdrängt haben, dass im Johannesevangelium noch die Rede ist davon, aber es in der Kirche praktisch keine Rolle spielt.

18:42 Könnte da nicht auch eine Angst dahinter stecken? In dem Sinn, wenn der Mensch sich sozusagen selbst erlöst, dann bedarf er ja der Erlösung durch Jesus, durch den Kreuzestod nicht mehr. Das könnte sehr wohl sein, ja. Ich glaube auch nicht, dass Jesus uns erlösen wollte, also Jesus wollte ein Beispiel setzen, wie wir uns verhalten können, wenn wir in Bedrängnis sind und wenn wir nicht an den liebenden Gott, sondern an den Kriegsgott glauben und ständig Kriege machen. Das ist ja ganz aktuell, das ist ja kein Zufall, dass Jesus für die Feindesliebe in den Tod ging und wir 2000 Jahre danach zwar uns auf ihn berufen, aber immer noch das Gegenteil machen, nämlich Massenmord in unseren heutigen Kriegen oder sogar einen möglichen Atomkrieg in Kauf nehmen.

19:28 Durch atomares Wettrüsten. Also da sieht man, an diesem Beispiel allein sieht man, dass wir von Jesus 2000 Jahre danach noch nicht allzu viel begriffen haben. Nehmen Sie mal aktuell das Beispiel des Ukraine-Krieges. Da steht der russische Patriarch, ein Stellvertreter Jesu auf Erden, voll hinter dem Massenmord von Putin. Das Gegenteil dessen, was Jesus gesagt hat. Und ich habe mich sehr gefreut zu hören aus Rom, dass Papst Franziskus seinen Mitbruder in Moskau anrief und gesagt hat, du bist ein Messdiener von Putin. Dein Chef ist Putin und nicht Jesus. Da hat er völlig recht. Da kann ich voll hinter dem Papst stehen in dieser Frage.

20:14 Sie stehen in anderen Fragen ja nicht hinter dem Papst. Sie haben 2023 ein Buch geschrieben mit dem Titel Ich habe einen Traum, die Zukunft der Kirche ist weiblich. Und in diesem Buch weisen Sie schwerpunktmäßig darauf hin, dass Jesus den Frauen einen besonderen Stellenwert beigemessen hat. In der Kirchengeschichte war das, wie wir wissen, oder ist es bis heute ja nicht so. Warum sehen Sie die Zukunft der Kirche weiblich? Weil ich mich wieder an Jesus orientiere und nicht an den vielen Theologen, die Jesus zum Teil verfälscht haben. Nehmen Sie mal die katholische Kirche. Da werden Frauen heute, weil sie Frauen sind, sie dürfen zwar Kirchensteuer bezahlen, aber nicht zu Priestern, zu Bischöfinnen oder zur Päpstin geweiht werden.

21:05 Und dieser jetzige Papst, der das nicht zulässt, hat 2016 gesagt, Maria Magdalena ist die Apostelin der Apostel. Damit hat er sie zur ersten Päpstin gemacht. Wir hatten eine Päpstin. Maria Magdalena war die Auserwählte, die er den Aposteln nicht zumuten wollte. Sogar der Papst sagt, sie war die Apostelin der Apostel. Aber eine heutige Frau, die Priesterin werden will, sich berufen fühlt, darf das nicht. Jesus war ein Freund der Frauen. Das habe ich schon in meinem Buch »Jesus, der erste neue Mann« deutlich gemacht. Dass er besonders ein Auge hatte auf Frauen und dass er Frauen und Kinder immer bevorzugt hat.

21:51 Männer hat er ständig beschimpft. Petrus hat er gesagt, du Ungläubiger. Da würde ich gern ein bisschen tiefer einsteigen. Es steht ja sicher außer Frage, dass die Frau in der Kirche eine bedeutendere Rolle spielen muss, dass die Bestrebungen dahingehen müssen. Aber jetzt mal ganz ketzerisch gefragt, warum sollte die Zukunft mit einer weiblichen Kirche besser werden? Sehen Sie in der Frau spirituelle Fähigkeiten, die der Mann nicht hat? Ich sehe im Mann keine spirituellen Fähigkeiten, die eine Frau nicht hat. Also Jesus hat Menschen gleich behandelt. Und seine große Botschaft war, alle Menschen sind gleich vor Gott, sind Söhne, Töchter Gottes.

22:45 Und Jesus hat da keinen Unterschied gemacht. Vor Gott sind alle gleich. Nur die Theologen und die Kirchen und die Bischöfe haben den großen Unterschied gemacht, weil es ihnen um Macht geht und nicht um die jesuanische Botschaft und nicht um das jesuanische Gottesbild. Das ist das ganze Geheimnis. Also die Grundidee ist natürlich, diese Gleichheit zu pflegen. Sie meinen nicht, dass die Frau eine tatsächliche Vorrangstellung in der Kirche haben müsste, damit die Zukunft der Kirche besser ist? Ich träume im Grunde genommen von einer geschwisterlichen Kirche. Aber da muss die Kirche erstmal weiblicher werden, bevor sie geschwisterlich ist. Deshalb habe ich den Titel so genannt. Die Zukunft der Kirche ist weiblich. Wenn die reine Männerkirche unter sich bleibt, dürfen sich die Kirchenmänner nicht wundern, wenn es weiterhin bergab geht mit den Kirchen.

23:33 Ich möchte noch einmal in dem Zusammenhang auf das Thema Nahtoderfahrung zurückkommen. Ein besonderer Aspekt dieser Erfahrung, ich habe rund 100 Interviews mit Nahtoderfahrern geführt, und was sehr oft gesagt wird von Menschen, die so etwas Lebensveränderndes erlebt haben, das ist, dass ihre Spiritualität sich vertieft hat, verstärkt hat, aber die Bindung zur traditionellen Kirche oder zu kirchlichen Dogmen eigentlich unwichtiger geworden ist, weil kirchliche Dogmen oft nur als Krücken im Vergleich zum wirklichen spirituellen Erleben gesehen werden. Daher die Frage, warum träumt man überhaupt von der Zukunft einer Kirche?

24:20 Braucht es auf die Dauer einen Mittler, eine Mittlerin zwischen Gott und der Menschheit? Ich glaube, wir brauchen weiterhin die Botschaft Jesu. Das ist das Beste, was wir haben auf der Welt. Und dafür braucht man auch gewisse institutionelle Voraussetzungen. Also das kann hilfreich sein, aber zurzeit ist es wirklich nicht hilfreich, weil es die Botschaft Jesu, ich habe es am aramäischen Jesus versucht zu beweisen, eher hindert, als dass es diese Botschaft Jesu fördert. Also die Institution ist immer zweitrangig, denke ich. Jesus dachte nicht in erster Linie an eine Institution. Er dachte an die Menschen und an die Botschaft, die er weitergeben wollte und für die er sogar ans Kreuz ging.

25:09 Also das war ihm wichtig. Die Institution ist nicht ganz unwichtig, aber sie ist, ich sage mal, zweitrangig. Ich möchte jetzt abschließend noch gerne auf Ihre persönliche Überzeugung zu sprechen kommen. Was ist Ihr Bild vom Tod? Haben Sie in Ihrem Leben, in Ihrem Verwandtenkreis, auch mal das Sterben, das Hinübergehen von Menschen miterlebt? Hatten Sie vielleicht besondere Erlebnisse, Träume, an die Sie sich erinnern können, die irgendwie Ihr persönliches Bild von dem geprägt haben, was beim Sterben passiert? Also mindestens zwei Personen habe ich in diesem Zusammenhang eine ganze Menge zu verdanken.

25:54 Einmal meiner Frau, die ist überzeugt, dass sie schon gelebt hat, die erinnert sich genau an manche Dinge. Wir waren zusammen in Tibet, habe meine Frau heimlich einen Film gedreht, steigt aus dem Flugzeug in Lhasa und sagt, das kenne ich ja alles. Hier war ich schon. Hier habe ich gelebt. Hier lebte ich in meinem früheren Leben. Und wenn eine Person, die mir so nahe steht, diese sagt, kann ich das doch nicht einfach abtun, das muss ich ernst nehmen. Ich selber habe keine Erinnerung. Ich selber kann nicht sagen, ich erinnere mich im Jahre 1795 das und das gewesen zu sein oder in Tibet gewesen zu sein. Meine Frau hat das, das nehme ich sehr ernst. Zum Zweiten, in der Nacht, in der meine Mutter starb, hatte ich einen unvergesslichen Traum.

26:44 Die ganze Familie Alt war auf einem Fluss, auf einem Schiff im Murgtal, im Schwarzwald, bei uns in der Nähe zu Hause. Die ganze Verwandtschaft, meine Schwestern, ihre Ehemänner, meine Schwager und ein anderer Teil der Verwandtschaft stand auf dem Schiff, meine Mutter war dabei und fiel über Bord. Wir alle wussten, sie kann nicht schwimmen. Und trotzdem ist keiner reingesprungen, um sie zu retten. Wir hatten Angst. Da steht meine Mutter plötzlich auf, im Fluss, das war gar nicht tief, da ging ihr nur das Wasser bis zu den Knien, lachte, lachte, lachte und sagt, habt doch keine Angst, mir geht es gut.

27:31 Das war ein unvergesslicher Abschiedstraum, für den ich ein Leben lang dankbar bin. Eine richtige Botschaft. Eine richtige Botschaft, die mir meine Mutter noch gegeben hat. Und da ist mir auch klar geworden, dass wir die Themen Wiedergeburt viel ernster nehmen müssen, als wir das bisher getan haben. Auch ich. Wenn ich mit meinem Freund, dem Dalai Lama, über diese Dinge rede, für den ist das alles selbstverständlich. Wir haben ein Buch zusammengeschrieben über die Umweltpolitik und über die Rettung des Klimas. Da sagt der Dalai Lama, das fällt uns Buddhisten schon deshalb leichter, weil wir wissen, dass wir wiederkommen. Wir wollen einen schönen Planeten und nicht einen, den wir vorher kaputt gemacht haben, bevor wir wieder einmal gestorben sind und nun wieder geboren werden.

28:17 Also ich denke, die Kirchen hätten da eine große Aufgabe, auch eine ökologische Aufgabe. Es gibt für mich so etwas, leicht nachweisbar wie den ökologischen Jesus, die ganze Bergpredigt. Die Sonne des Vaters scheint für alle. Unser himmlischer Vater lässt es regnen für Gerechte und Ungerechte. Also das Wasser, das wir brauchen und das Licht, das wir brauchen, gerade für die Energiewende, die Sonne, schickt uns 15.000 Mal mehr Energie, als alle Menschen brauchen. Wenn ich da an Wiedergeburt glaube, habe ich von vornherein einen großen Vorteil. Übrigens, ich muss aus Gerechtigkeitsgründen auch dem jetzigen Papst gegenüber sagen, seine Enzyklika laudato si, die Umweltencyklika, ist das beste Papier, das wir haben für die Zukunft des Planeten.

29:04 Das hat der Papst richtig gut gemacht. Und nicht zuletzt deshalb haben zum Beispiel in Deutschland 2.000 Kirchen Solaranlagen, auch wieder daher gemacht. Also da wird Kirche mal ganz konkret und praktisch und da lebt sie den ökologischen Jesus vor. Das finde ich gut. Sie sind als Autor unermüdlich, finden auch immer wieder neue spannende Themen. Gibt es ein Projekt, das Sie momentan verfolgen? Was sind Ihre Schwerpunktinteressen? Also das Thema Klimawandel treibt mich nach wie vor um. Und ich bin sicher, wir könnten die Klimakrise noch lösen. Zurzeit haben wir weltweit einen Boom für erneuerbare Energien, wie auch ich ihn vor 5 Jahren noch kaum möglich gehalten hätte.

29:50 Wir haben in China ein Wachstum. In China und in Indien, wie das noch vor kurzem undenkbar war. Bisher ist die erneuerbare Energie langsam gewachsen. Linear. Also 1, 2, 3, 4, 5, 6% und so mehr. Jetzt aber sind wir gerade dabei, die Kurve zu kriegen zu einem exponentiellen Wachstum. Das heißt, es verdoppelt sich Jahr um Jahr zurzeit. Das ist weltweit zu beobachten. Ich habe zu diesen Themen in 50 Ländern 3.000 Vorträge gehalten. Also ich habe einen Überblick. Deshalb heißt mein Buch, das ich zu diesem Thema schreibe, die Solare Weltrevolution. Die Solarzeit beginnt, die Sonne gewinnt.

30:37 Herzlichen Dank für das Gespräch. Aber gern.

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